Kategorie: Hedevig Thorine Christiane Lund

Kategorie: Hedevig Thorine Christiane Lund

Hedevig Thorine Christiane Lund erhielt ihre erste Ausbildung in Stockholm, wo ihr Vater Minister in der norwegischen Regierung war. 1845 debütierte sie auf einer Ausstellung im Børslocalet in Christiania mit sechs Bildern, beides eigenständige Kompositionen, Genrebilder mit weiblichen Protagonistinnen und Kopien nach Adolph Tidemand. Einen weiteren Eindruck von Tidemand gewann sie während ihres Studiums in Düsseldorf, wo sie zu seinem engsten Freundeskreis gehörte. Dennoch wurde Carl Sohn entscheidender für ihre Entwicklung als Porträtmalerin. Ein Studienkopf aus dieser Zeit (1869, Kunstgalerie Trøndelag) ist ein gutes Beispiel für den sanft malerischen, sentimentalen und italienisierenden Porträtstil, dessen Vertreter Sohn war. Ls erstes großes Porträt ihrer Mutter Abel Marie Erichsen, das 1846 in Düsseldorf gemalt und im Februar 1847 bei Christiania Kunstforening ausgestellt wurde, war ihr endgültiger Durchbruch. Das Porträt zeigt Ls Kunst von ihrer besten Seite, selbstbewusste Zeichnung und gedämpfte Farbgebung, ein entspannter, lebendiger und leicht idealisierender Ausdruck. In Christiania bestand ein Bedarf an salonfähigen Porträtmalern und L. hatte bis 1854 relativ aktive Jahre. Sie malte Porträts von Beamten und Frauen des besser gestellten Bürgertums. Der Höhepunkt waren Aufträge für die Eidsvollsgalleriet, wo die Porträts von Gustav P. Blom (1853), Ole Rasmussen Apenes (1854) und Hans Haslum (1854) mit ihrer guten Zeichnung und sicheren Eigenschaften die besten sind. Sie hat auch Kopien von Porträts angefertigt. Aus dieser Zeit stammt auch eine kleine Gruppe spätromantischer Genrebilder, Frauen in Tracht und dergleichen mit sentimentalem Touch. Nach 1854 hörte L. für 20–25 Jahre praktisch mit der Malerei auf. Eine Ausnahme bildet das etwas steife Porträt seines Ehepartners Bernt Lund (1870) und Jesus in Gethsemane, das Altarbild der Stokken-Kirche in Aust-Agder (1867/68). Ein identisches Altarbild in der Våler-Kirche in Solør (1865) wurde von Bernt Lund in Auftrag gegeben, aber von den Eheleuten gemeinsam geschenkt, und es ist wahrscheinlich, dass L. dieses auch ausgeführt hat. Erst Ende der 70er Jahre begann L. wieder zu malen. Einige Landschaften der Sem-Farm, auf der die Familie lebte, stammen aus dieser Spätzeit. Die Landschaftsstudie aus Borrevannet (1878, Nationalgalerie, Oslo) ist ein gutes Beispiel für die Erneuerung, die in ihrer Malerei stattgefunden hat. Es handelt sich um ein Open-Air-Gemälde, das mit einer hellen Palette, aber einer bewussten Komposition und einer gebürsteten Oberfläche gemalt wurde.